Die wichtigste Regel vorweg: Die gesetzliche Kündigungsfrist nach § 622 BGB ist immer die Grundlage. Dein Arbeitsvertrag kann davon abweichen – aber nur, wenn er dich nicht schlechter stellt.
Das bedeutet konkret: Eine längere Kündigungsfrist im Vertrag ist erlaubt. Eine kürzere Frist ist in vielen Fällen unwirksam.
Genau hier entsteht die meiste Verwirrung. Viele verlassen sich nur auf ihren Vertrag, obwohl rechtlich etwas anderes gilt.
§ 622 BGB – die Grundlage für jede Kündigungsfrist
Das deutsche Arbeitsrecht legt mit § 622 BGB fest, welche Kündigungsfristen mindestens gelten müssen.
Für Arbeitnehmer ist die Standardregel einfach: vier Wochen zum 15. oder zum Monatsende. Für Arbeitgeber verlängern sich die Fristen mit der Dauer der Beschäftigung.
Wichtig ist: Diese Regelung ist kein Vorschlag, sondern eine gesetzliche Untergrenze. Sie greift immer dann, wenn keine andere gültige Regelung darüber steht.
Wenn du unsicher bist, wie diese Fristen im Detail aufgebaut sind, findest du hier eine verständliche Erklärung mit Tabelle: vollständige Übersicht der gesetzlichen Fristen nach § 622 BGB
Warum dein Arbeitsvertrag nicht einfach alles ändern darf
Ein Arbeitsvertrag darf Kündigungsfristen anpassen, aber nicht beliebig.
Der Grund ist einfach: Das Gesetz schützt Arbeitnehmer vor zu kurzen Fristen. Deshalb gilt eine klare Grenze – der Vertrag darf dich nicht schlechter stellen als das Gesetz.
In der Praxis bedeutet das: Viele Verträge enthalten längere Fristen, zum Beispiel drei Monate zum Monatsende. Das ist erlaubt und üblich.
Diese längeren Fristen sind bindend, weil sie über dem gesetzlichen Mindeststandard liegen. Du musst dich also daran halten, auch wenn die gesetzliche Frist eigentlich kürzer wäre.
Wann eine vertragliche Kündigungsfrist nicht gilt
Problematisch wird es, wenn im Arbeitsvertrag eine kürzere Frist steht als im Gesetz vorgesehen.
In solchen Fällen ist die Regelung oft unwirksam. Das bedeutet nicht, dass gar keine Frist gilt – sondern dass automatisch die gesetzliche Frist einspringt.
Ein einfaches Beispiel macht das klar:
In deinem Vertrag steht eine Kündigungsfrist von zwei Wochen. Du arbeitest aber schon länger im Unternehmen, sodass nach § 622 BGB eigentlich ein Monat zum Monatsende gelten würde.
Hier greift das Gesetz. Die vertragliche Regelung wird ignoriert, weil sie dich schlechter stellt.
Genau deshalb ist es wichtig, deinen Vertrag nicht isoliert zu betrachten, sondern immer im Zusammenhang mit der gesetzlichen Regelung.
Tarifvertrag – wenn eine andere Regel Vorrang hat
In einigen Branchen gelten Tarifverträge. Diese können eigene Kündigungsfristen festlegen, die von den gesetzlichen Regeln abweichen.
Wenn ein Tarifvertrag auf dein Arbeitsverhältnis zutrifft, hat er Vorrang vor deinem Arbeitsvertrag.
Das kann dazu führen, dass deutlich längere Kündigungsfristen gelten als im Gesetz vorgesehen.
Ein typisches Beispiel: Während das Gesetz zwei Monate vorsieht, kann ein Tarifvertrag drei oder mehr Monate festlegen. Diese Regel ist dann verbindlich.
Wenn du wissen möchtest, ob und wie ein Tarifvertrag deine Frist beeinflusst, findest du hier eine einfache Erklärung: Kündigungsfrist im Tarifvertrag erklärt
Beispiel: Vertrag vs. Gesetz in der Praxis
Du arbeitest seit drei Jahren in einem Unternehmen.
In deinem Arbeitsvertrag steht: „Kündigungsfrist 2 Wochen“.
Nach § 622 BGB gilt in deinem Fall aber eine Kündigungsfrist von einem Monat zum Monatsende.
Welche Frist gilt jetzt?
Die gesetzliche. Die kürzere Frist im Vertrag ist unwirksam und wird nicht angewendet.
Dieses Beispiel zeigt, warum es wichtig ist, beide Ebenen zu kennen – Vertrag und Gesetz.
Wie du herausfindest, welche Frist für dich gilt
Um deine tatsächliche Kündigungsfrist zu bestimmen, musst du immer in der richtigen Reihenfolge prüfen.
Zuerst solltest du klären, ob ein Tarifvertrag gilt. Falls ja, ist dieser entscheidend.
Wenn kein Tarifvertrag vorliegt, schaust du in deinen Arbeitsvertrag. Enthält er eine gültige Regelung, ist diese maßgeblich.
Wenn der Vertrag jedoch kürzere oder unklare Fristen enthält, greift automatisch das Gesetz.
Diese Logik sorgt dafür, dass du immer mindestens den gesetzlichen Schutz hast.
Deine Kündigungsfrist richtig berechnen
Viele Fehler entstehen nicht, weil Regeln unklar sind, sondern weil sie falsch angewendet werden.
Gerade bei Kombinationen aus Vertrag, Gesetz und möglichen Sonderfällen wird es schnell unübersichtlich.
Wenn du sicher wissen willst, welche Kündigungsfrist in deinem konkreten Fall gilt, solltest du sie genau berechnen.
Gib dein Eintrittsdatum ein – der Rechner zeigt dir, welche Frist gilt



